Warum eine Seebestattung?
       
 

Wenn Menschen sich dem Meer besonders verbunden fühlen ...

Sei es, weil sie gerne ihren Urlaub an der See verbrachten, leidenschaftliche Wassersportler oder ehemalige Seeleute waren oder einfach, weil sie die Weite, die Kraft und die Zeitlosigkeit des Meeres fasziniert. Und sie darin den Ursprung allen Lebens und den ewigen Kreislauf der Natur sehen. Sie möchten irgendwann dem Meer zurückgegeben werden. Deshalb bestimmen sie es schon zu Lebzeiten zum Ort ihrer letzten Ruhe.

Die Verbundenheit mit dem Wasser drückt sich häufig auch in dem Gedanken aus, mit einem vorverstorbenen Partner oder Angehörigen nach dem eigenen Ableben wieder vereint zu werden: Nicht nur im gleichen Element, sondern auch an gleicher Stelle im Meer.

Das Grab im Meer - eine ganz persönliche Entscheidung ...

Der Wunsch, im Meer beigesetzt zu werden, ist eine individuelle und höchstpersönliche Angelegenheit, die weit über eigene Belange, Gefühle und Möglichkeiten der Gegenwart hinaus Konsequenzen hat. Dieser letzte Wille, rechtzeitig zu Lebzeiten überlegt und formuliert, ist nicht nur eine Gefühlsäußerung oder Regieanweisung für die Hinterbliebenen: Er hat Konsequenzen in der Zukunft und für die Zurückbleibenden. Mit der Seebestattung werden eigene Vorstellungen realisiert und die Angehörigen von moralischen und materiellen Verpflichtungen entbunden. Familienmitglieder sind heute bereits aus verschiedensten beruflichen oder privaten Gründen nicht mehr an einem Ort ansässig und leben weit entfernt von einer Grabstätte an Land. Wer kann und will sich während der Dauer von zwei bis drei Jahrzehnten um ein Grab kümmern? Was geschieht dann mit dem Grab? Wer ist in der Lage, Friedhofsgebühren, Kosten für Grabstein und Grabstätte, sowie für deren aufwändige Pflege über viele Jahre zu tragen?

Zu Lebzeiten werden diese Themen ungern angesprochen und vertagt, häufig die Entscheidungen über die Bestattungsart und den Ort auf die Zurückbleibenden abgewälzt. Ist nichts geregelt, müssen in den schwersten Stunden Maßnahmen ergriffen werden, die dann die Gemüter erregen und nicht selten zu Streit führen.

Das Meer - Ort der Trauer und der Trauerarbeit?


Hinterbliebene entscheiden sich gern für die See-Beisetzung, weil sie Erleichterung bei dem Gedanken verspüren, dass die/der Verstorbene die ewige Ruhe in geliebter Umgebung finden wird. Auch empfinden sie es als weniger bedrückend, die Urne eines geliebten Menschen in die Wogen gleiten zu sehen, anstatt einen Sarg oder eine Urne in einem dunklen Erdloch für immer zu begraben. Vor der Weite des Horizonts und nur umgeben von Meer und Himmel wirkt der Abschied nicht so endgültig.

Es ist jedoch ein Abschied für immer; Eine Tatsache, die den Zurückbleibenden Ängste bereitet und den verständlichen Wunsch nach einem Ort der Trauer aufkommen lässt, einem Fixpunkt, als erreichbare und greifbare Stelle, an der man dem geliebten Menschen nah sein kann, Zwiesprache halten oder seiner schweigend gedenken und trauern kann.

 

Jeder erlebt Schmerz und Trauer anders, hat vielleicht schon leidvolle Erfahrungen mit dem Tod nahestehender Menschen machen müssen und würde den Bezugspunkt bei einem Grab in den Wellen vermissen. Manche Menschen befürchten auch, eine Seebestattung finde an einer anonymen Stelle im Meer statt und nehme den Hinterbliebenen die Möglichkeit, hin und wieder den Beisetzungsort aufzusuchen.

Diese Befürchtungen sind insoweit berechtigt, als es natürlich leichter fällt, an Land den Trauerort zu besuchen: Wind und Wetter spielen auf See immer ihre Rollen. Ansonsten kann die Ruhestätte immer wieder besucht werden. Erinnerungsfahrten zur Beisetzungsstelle sind mit Hilfe der aufgezeichneten Koordinaten und der Seekarte jederzeit möglich.

Tröstlicher ist jedoch der Gedanke, dass die/der Verstorbene in das Ur-Element - das Wasser - zurückgekehrt ist und sich im ewigen Kreislauf der Natur befindet, frei von allen irdischen Zwängen und Lasten. In jedem Meer, jedem Fluss, jedem See, im Regen - überall auf der Welt.

 

 

     
       
 
       
  Ablauf der Seebestattung    
 

Bei Erreichen der vorgesehenen Beisetzungsstelle spricht der Kapitän die Abschiedsworte und läutet danach mit der Schiffsglocke die Wache aus. Acht Glasen signalisieren nach seemännischem Brauch das Ende der Wache eine Seemanns. Mit einer Leine lässt der Kapitän die blumengeschmückte Urne langsam in die Wogen gleiten.

Zum Abschied ertönt das Schiffshorn und der Steuermann lässt das Schiff mit langsamster Fahrt mehrmals um die Beisetzungsstelle kreisen, die von ausgestreuten Blumen und Blütenblättern markiert ist. Die Angehörigen nehmen Abschied.

Bevor das Schiff wieder Kurs auf den Hafen nimmt, ertönt noch einmal das Schiffshorn zum letzten Gruß. Die Flagge wird gedippt und wieder auf Vollmast gesetzt. Mit langsamer Fahrt beginnt die Rückreise. Die Blumen in den Wellen werden immer kleiner, bis sie schließlich ganz außer Sicht sind.

 

     
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